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Die Flensburger Förde heute

Die Flensburger Förde ist aufgrund ihrer Lage ein sehr sensibles Gebiet der Ostsee. Sie hat nur zwei Verbindungen zum kleinen Belt. Eine der Verbindungen ist in Sonderburg über den Alsensund mit gerade einmal 40m Breite. Die zweite Verbindung besteht in den Ausläufern der Geltinger Bucht. Die beiden Verbindungen liegen am östlichen Ende der Flensburger Förde, die sich noch über 20km nach Westen ausstreckt. Eine markante Stelle der Flensburger Förde ist die Holnishalbinsel, die eine komplette Wasserdurchmischung anhand von Dünungen durch Winde stark beeinträchtigt und sogar verhindern kann.

Durch diese geographische Gegebenheit reagiert die Flensburger Förde sehr anfällig auf Veränderungen bei Nährstoffeinträgen oder Einwirkungen durch den Menschen auf anderem Wege. Diese Veränderungen wirken sich sehr stark auf den Sauerstoffspiegel in den Tiefenregionen aus und somit auf die Artenanzahl und die Individuenzahl.

In den letzten Jahren haben sich auch deutliche Veränderungen an den Miesmuschelbänken erkennen lassen. Ihr Vorkommen in den Regionen, die nicht strömungsexponiert sind, hat sich in den letzten Jahren von einer maximalen Tiefe von 13 Metern auf fünf bis sechs Metern verringert. Dieses ist unter anderem auf einen starken Rückgang des Sauerstoffgehaltes in den tieferen Regionen der Ostsee zurückzuführen. Gerade in den Sommermonaten sind in den Tiefen unterhalb von 15 Metern sehr geringe Sauerstoffwerte zu messen. Dazu kommt die kommerzielle

Miesmuschelfischerei, die regelrechte Furchten in den Meeresboden und die Miesmuschelbänke zieht. Eine Regeneration der Miesmuschelbänke erfolgt kaum, da der weiche Boden ein schnelles Neuansiedeln schlichtweg verhindert.

Die Miesmuschelbänke haben in den letzten Jahren ihren Bestand um über die Hälfte verloren und trotzdem werden sie weiterhin abgefischt. Dieses ist sehr beunruhigend, denn die Miesmuscheln filtern und reinigen den Großteil des gesamten Ostseewassers in wenigen Wochen. Auch die Fangtechniken sind mit Skepsis zu betrachten, da hierbei der Boden und die im Boden lebenden Organismen und deren Lebensräume stark geschädigt werden, wenn die Miesmuscheln mit maschineller Hilfe vom Boden abgerissen werden. Sämtliche Organismen, die zwischen den Miesmuscheln leben, überleben häufig die Fangprozedur nicht oder sie werden beim Herausheben der vollen Netze einfach zerdrückt.

Eine eigenständige Untersuchung im Jahr 2007 in einem der westlichen Gebiete der Flensburger Förde hat ergeben, dass angelegte Hartsubstratfelder dazu geführt haben, dass sich ein Großteil unterschiedlichster Lebensformen angesiedelt hat. Eine durchdachte Positionierung neuer Hartsubstratfelder würde zu einer deutlichen Individuenanzahl an Korallentieren führen.

Schon die kleinsten Eingriffe des Menschen können den stark beeinträchtigen Lebensraum weiter einschränken. Die Tiefenregionen weisen zunehmend einen geringeren Sauerstoffgehalt auf und daraufhin wird in den Küstenregionen stark gefischt, wo der Jungfisch gleich mit gefischt wird. Dieses ist darauf zurückzuführen, dass das Nahrungsangebot in den Tiefenregionen für die Fische nicht mehr ausreicht und sie in die küstennahen Gebiete abwandern. Die Miesmuschelfischerei und ihre Folgen für die Filtrierung und Säuberung des Wassers der Förde habe ich weiter oben schon genannt. Aber auch Verklappungen führen zu einer starken Beeinträchtigung und Zerstörung von marinem Leben. Nicht nur Schwämme oder andere sessile Lebensformen werden von den Sedimentwolken bedeckt und sterben ab, sondern auch die vielen Würmer, die im Weichboden leben, werden von der Masse an Einträgen kurzerhand verschüttet und gehen zu Grunde.

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