
Die Ostsee heute
Heute besteht der einzige Salzwasserzufluss über die Nordsee durch die Wasserstraße über Skagerrak und Kattegatt, wobei der Zustrom von Salzwasser durch viele Schwellen und Becken in der Beltsee beeinträchtigt wird. Das salzhaltigere und sauerstoffreichere Wasser aus der Nordsee ist schwerer als das Brackwasser der Ostsee und schiebt sich unter dieses. Erst wenn die ersten Becken und Schwellen vom Kattegat kommend gefüllt sind, dringt es weiter in die westliche Ostsee vor. Durch Zersetzungsprozesse am Meeresboden wird permanent an dem Sauerstoffgehalt gezerrt. Süßwasser gelangt in kleinen Mengen durch Regen in die Oberflächenbereiche der Ostsee oder verstärkt im Nordosten über Schweden und Finnland und an allen anderen Küsten durch Flüsse. Dieses erklärt das Salinitätsgefälle (Saltsgehaltsunterschiede) über die gesamte Ostsee von drei bis 30‰.
Durch die Salinitätsunterschiede können neben den marinen Arten auch limnische Arten in der Ostsee angetroffen werden, die aber ebenso wie die marinen Arten einem eingeschränkten Lebensraum ausgesetzt sind. Der Seestern, Asterias rubens, kommt aufgrund der geringen Salzgehalte ab Rügen im östlicheren Bereich der Ostsee nicht mehr vor. Eine ähnliche Verbreitungseinschränkung zeigen viele anderen Arten, die bei immer geringer werdenden Salzgehalten ihren Lebensraum nur in den westlichen Ostseegebieten wiederfinden. In den salzarmen Gebieten wagen sich limnische Arten in das Brackwasser vor, um dort z.B. auf Nahrungssuche zu gehen. Hierbei werden stenohaline und euryhaline Organismen unterschieden. Die stenohalinen Formen haben eine osmotische Toleranz, die sich in engen Grenzen bewegt und können sich daher nur geringen Salzgehaltschwankungen anpassen. Die euryhalinen Organismen hingegen weisen einen deutlich breiteren Toleranzbereich auf und verkraften größere Salzgehaltsschwankungen. Je nach Jahreszeit, Wind- oder Strömungsrichtung unterscheiden sich in einem einzigen kleinen Gebiet die Salinität so sehr, dass stenohaline Formen in dieses Gebiet nur an wenigen Wochen oder Tage im Jahr vordringen können.
Diese Komplexität und diese sehr großen Anforderungen an die Flora und Fauna machen diesen Lebensraum zu einem der extremsten der ganzen Welt. Welche Auswirkungen dieses für die Flora und Fauna hat und wie auch der Einfluss des Menschen auf diesen Lebensraum sich auswirkt, werde ich in weiteren Beiträgen aufzeigen.

