
Entstehung der Ostsee
Die Ostsee entstand vor etwa 15.500 Jahren durch das Abschmelzen der Gletscher, die über Skandinavien die Hälfte von Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und einen Großteil von Polen bedeckten. Häufig wird diese Zeit als letzte Eiszeit bezeichnet, dabei handelte es eigentlich nur um eine Kaltzeit, die Weichsel-Kaltzeit.
Das Abschmelzen der Gletscher führte dazu, dass sich ein großer Süßwassersee in dem erschaffenen Bodenrelief ansammelte. Es entstand der Baltischer Eisstausee vor gerade einmal 12000 Jahren. Zuerst war es ein Süßwassersee, der etwa dreieinhalb tausend Jahre später, durch das weitere Abschmelzen der Gletscher in Skandinavien einen Zugang zur Nordsee erhielt. Der Salzwasserzufluss erfolgte über Mittelschweden und es entstand das Yoldia Meer vor etwa 9500 Jahren, welches aufgrund des einströmenden Wassers aus der Nordsee ein Brackwassermeer war. Ist die Verdunstung geringer als die Süßwasserzuflüsse wird von Brackwasser gesprochen. Die Salzwassermuschel Yoldia arctica (heutzutage Partlandia arctica) wanderte in dieses neu entstandene Meer ein.
Nur zweitausend Jahre später, vor etwa 7500 Jahren, schloss sich der Durchgang zur Nordsee durch die anhaltende Landerhebung, die durch die Gewichtsentlastung der weiter abschmelzenden Gletscher. Die reichlichen Süßwasserzuflüsse führten zu einer Aussüßung des Wassers. Es bildete sich der Ancylus-See. Die Süßwasserschnecke Ancylus fluviatilis war der Nachweis dafür. Dieses hatte aber auch zur Folge, dass nur wenige Salzwasserarten, die zuvor das Yoldia Meer bewohnten, überlebten.
In den nächsten tausenden Jahren veränderte sich das Bild der Ostsee bis zur heute vorhandenen Form. Durch den Anstieg des Meeresspiegels im Zusammenhang mit der Littorina-Transgression, die den Salzwasserzufluss von der Nordsee über das Kattegat und die heutige dänische Beltsee beschreibt, wurde auch die Gemeine Strandschnecke Littorina littorea einschleppt. Die Gletscher waren fast vollständig verschwunden und durch die immer weiter anhaltende Landhebung veränderte sich auch die Küstenlinie weiter. Die typischen Küstenformen wie Förden, Buchten und Bodden bildeten sich immer stärker heraus. Es bildetet sich nach und nach wieder ein brackiges, salziges Meer. Dieses geschah vor etwa 6000 Jahren. Bis vor 2500 Jahren erschwerte die Landhebung Skandinaviens den Wasseraustausch nachhaltig, was eine leichte Aussüßung des Wassers zur Folge hatte. Die Brackwasserschnecke limnea ovata gab dieser Zeit der Ostsee den Namen Limnea Meer. Nur 1000 Jahre später war die Aussüßung nicht mehr vorhanden und seitdem nimmt der Salzgehalt des Wassers der Ostsee ständig zu. Dieser zeitliche Abschnitt der Entstehung der Ostsee wird als Mya Meer bezeichnet. Benannt ist der nach der größten vorkommenden Muschel in der Ostsee, der Sandklaffmuschel, Mya arenaria.
Die kurz aufeinander folgenden Salinitätswechsel prägen die Entstehungsgeschichte der Ostsee sehr. Eine evolutionäre Anpassung von Arten, war nicht möglich. Der ständige Wechsel zwischen Süß-, Brack- und Salzwasser forderte die Organsimen stark und sorgte für temporäres Massensterben, wenn die Salinität sich änderte. Dieses ist auch die Erklärung warum in der Ostsee keine endemischen Tier- und Pflanzenarten existieren. In fast allen anderen Meeren der Welt finden wir diese nur in bestimmten Gebieten lebenden und angepassten Arten wieder.

